Energiepreise und Lieferketten: VDMA senkt Produktionsprognose wegen Ukraine-Krieg

2022-07-29 09:22:50 By : Ms. TOYO TOYO

Der Krieg in der Ukraine wird sich im Maschinen- und Anlagenbau deutlich auswirken. Laut aktueller Blitzumfrage des VDMA sehen 85 % der Firmen den Krieg als gravierendes oder merkliches Risiko für ihre Geschäfte. Der VDMA senkt daher seine Produktionsprognose für 2022 auf real plus 4 %.

Der Krieg in der Ukraine verschärft bestehende Probleme im Maschinen- und Anlagenbau noch einmal. (Bild: Electriceye – Fotolia)

Der Krieg in der Ukraine wird sich im Maschinen- und Anlagenbau deutlich auswirken und die noch nicht überwundenen Schwierigkeiten in den Lieferketten abermals verschärfen: Laut der aktuellen 13. Blitzumfrage des VDMA unter seinen Mitgliedsfirmen, die Anfang März durchgeführt wurde, sehen 85 % der knapp 550 Teilnehmer den Krieg als gravierendes oder merkliches Risiko für ihre Geschäfte. Hier stehen insbesondere die indirekten Auswirkungen im Fokus: Knapp 80 % der Maschinen- und Anlagenbauer erwarten gravierende oder merkliche Folgen, beispielsweise durch eine weitere Energieverteuerung, die allgemeine Verunsicherung von Kunden oder die Rubel-Abwertung. Gefragt nach direkten Auswirkungen der russischen Aggression sprechen 45 % der Firmen von gravierenden oder merklichen Auswirkungen durch die Sanktionen, die Verschiebung von Projekten oder generell weniger Umsatz in Russland oder in der Ukraine.

„Für den Maschinen- und Anlagenbau ist die Geschäftstätigkeit mit Russland zwar nicht existenziell, aber die Unternehmen werden für den russischen Angriffskrieg, der durch nichts zu rechtfertigen ist, einen Preis zahlen müssen“, erklärt VDMA-Präsident Karl Haeusgen.

Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen: 2021 hat der Handel zwischen Deutschland und Russland zugenommen. Insgesamt wurden Waren im Wert von 59,8 Mrd. Euro gehandelt. Wir werfen einen genauen Blick auf die Zahlen. Einfach hier klicken.

Vorrangig gehe es jetzt für viele Firmen darum, die Sicherheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Ukraine und auch in Russland zu gewährleisten. Zugleich müssen sie sich auch auf weitere Lücken in den Lieferketten einstellen. Dies ziehe sich durch die gesamte Produktion bis hin zur Auslieferung und Inbetriebnahme. „Es braucht daher mehr denn je einen schnellen Friedensschluss unter Wahrung der territorialen Integrität der Ukraine. Dies gilt umso mehr als beide Länder eine ganz wichtige Rolle in der Versorgung der Welt mit Lebensmitteln wie Getreide spielen und dabei auf Lieferungen aus dem deutschen und europäischen Maschinen- und Anlagenbau angewiesen sind“, betont Haeusgen.

Laut revidierter Zahlen des Statistischen Bundesamts hat die Produktion im Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland im Jahr 2021 um real 6,4 Prozent zugelegt. Das entspricht nahezu der Schätzung der VDMA-Volkswirte. Für das laufende Jahr birgt der Ukraine-Krieg – neben anderen Risiken wie Inflation, neuen Pandemiewellen oder der Auseinandersetzung China-USA – jedoch nicht abschätzbare Gefahren für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Handelsunterbrechungen und die stark gestiegenen Energiepreise werden die wirtschaftliche Erholung zumindest bremsen. Zwar rangiert Russland inzwischen nur noch auf Platz neun im Exportranking des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus (Ukraine: Platz 31, Belarus: Rang 53). Doch immerhin entfällt auf alle drei Länder zusammen ein Exportvolumen von 7,0 Mrd. Euro (2021). „Hiervon werden wir aller Voraussicht nach deutliche Abstriche bis zum weitgehenden Ausfall machen müssen. Unsere Umfrage zeigt zudem: Noch schwerer wiegen die indirekten Folgen des Ukraine-Kriegs, also die gegenseitigen Sanktionen, der Abbruch von Geschäftsbeziehungen bis hin zu grundlegend veränderten geopolitischen und ökonomischen Rahmenbedingungen“, erläutert Haeusgen.

Als Konsequenz daraus korrigieren die VDMA-Volkswirte die bisherige Jahresprognose zum realen Produktionswachstum. „Statt eines ursprünglich erwarteten Zuwachses von real 7 Prozent rechnen wir nun für das laufende Jahr nur noch mit einem Produktionsplus von 4 Prozent“, kommentiert der VDMA-Präsident. Der Rückgang hat seine Ursache zum einen im vergleichsweise schwachen vierten Quartal 2021. Der Maschinenbau sei dadurch von einer niedrigeren Ausgangsbasis ins Jahr 2022 gestartet, was die Wachstumsrate drückt. Hinzu kommen die direkten Kriegsfolgen und die schon jetzt spürbare Verunsicherung der Maschinen- und Anlagenbauer und ihrer Kunden. Stützend dürften sich die vollen Auftragsbücher erweisen. Diese Prognose deckt Extremszenarien wie die Ausweitung der kriegerischen Handlungen auf andere Länder, deren Folgen sich nicht vorhersehen lassen, nicht ab.

Das vorherrschende Problem der Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau sind laut Umfrage die gestörten Lieferketten: 32 % der Firmen sehen sich hier mit gravierenden Schwierigkeiten konfrontiert, 42 % sprechen von merklichen Behinderungen. Dabei dürften sich die ganz aktuelle Kriegsentwicklung und ihre Folgen noch gar nicht in diesem Urteil niedergeschlagen haben. Folgerichtig sind die befragten Firmen mit Blick auf die kommenden drei Monate in dieser Frage pessimistisch. Mit 53 % erwartet die Mehrheit der Befragten eine Verschärfung der Schwierigkeiten in den Lieferketten, weitere 43 % gehen von einer gleichbleibend angespannten Situation aus.

Die anhaltende Rohstoffknappheit ist für viele Branchen zur Zerreißprobe geworden, insbesondere für die Kunststoffindustrie. Um handlungsfähig zu bleiben, gilt es, auf Kosteneffizienz und Versorgungssicherheit zu setzen. Einfach hier klicken.

Dabei werden Engpässe in den Zulieferungen hauptsächlich bei Elektronikkomponenten registriert (52 % gravierend, 28 % merklich) sowie bei Metallerzeugnissen (10 % gravierend, 44 % merklich). Die Zulieferungen für die eigene Produktion kommen deutlich verzögert in den Werkshallen an: Bei Elektronikkomponenten berichten 31 % der Unternehmen von einer um mindestens sechs Monate verlängerten Wartezeit, bei weiteren 30 % der Firmen sind es drei bis sechs Monate Verzug. Auf Metallerzeugnisse wartet etwa jedes dritte Unternehmen ein bis drei Monate länger, weitere 21 % warten mindestens drei Monate. Eine Entspannung der Engpässe wird vorbehaltlich der Kriegsfolgen insbesondere für Metallerzeugnisse erst ab dem zweiten Halbjahr erwartet.

Bei Elektronikkomponenten gehen zwei Drittel der Unternehmen sogar erst ab dem Jahr 2023 von einer Besserung der Lage aus. In der Folge haben inzwischen 82 % der Unternehmen Rückstände in der Produktion, beispielsweise unfertige Endprodukte, die aufgrund von Materialmangel nicht fertiggestellt und ausgeliefert werden können. „Die Hälfte der befragten Firmen berichten von einem Rückstand, der bis zu einer Monatsproduktion ausmacht. Das zeigt, vor welch großen Herausforderungen die mittelständische Industrie auch in diesem Jahr steht“, erklärt VDMA-Präsident Haeusgen.

Gut drei Viertel der Unternehmen haben aus den jüngsten Erfahrungen gelernt und stellen ihre Lieferketten kritisch auf den Prüfstand. Die meisten von ihnen möchten künftig ihre Versorgungssicherheit durch ein breiteres Lieferantennetzwerk, veränderte Beschaffungsprinzipien oder eine erhöhte Lagerhaltung gewährleisten. Auch eine andere geografische Verteilung der Lieferanten spielt in vielen Betrieben eine Rolle. „Dass 84 Prozent der befragten Maschinenbauer trotzdem auch in diesem Jahr mit einem Umsatzplus rechnen, zeigt aber die Resilienz und Fähigkeit, sich auf alle Krisen immer wieder neu einzustellen“, resümiert VDMA-Präsident Haeusgen.

Auf Platz 10 in diesem Ranking landet das einst schwedische, mittlerweile aber niederländische Möbelhaus Ikea. Das Unternehmen ist seit dem Jahre 2000 in Russland tätig und machte dort 2020 einen Umsatz von 2,92 Mrd. Euro. (Bild: André Grohe/Ikea)

Der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung Electronics ist bereits seit 1991 in Russland vertreten. In 2020 machte Samsung dort einen Umsatz in Höhe von 2,93 Mrd. Euro und landet damit auf dem neunten Platz. (Bild: saiko3p - stock.adobe.com)

Platz 8 im Ranking geht an den japanischen Autobauer Toyota Motor. 2020 machte das Unternehmen 3,14 Mrd. Euro Umsatz in Russland, wo es seit 2002 tätig ist. (Bild: Toyota)

Den siebten Platz der größten ausländischen Firmen in Russland kann sich der Elektronik-Gigant und Samsung-Rivale Apple sichern. Von den zehn im Ranking aufgeführten Unternehmen kam Apple als letztes nach Russland, nämlich erst im Jahre 2011. 2020 machte der Konzern dort 3,17 Mrd. Euro Umsatz. (Bild: Apple)

Die Groupe Auchan (Platz 6) ist eine französische Warenhauskette, die seit 2002 auch in Russland agiert. 2020 betrug der dortige Umsatz des Unternehmens 3,26 Mrd. Euro. (Bild: WDnet Studio - stock.adobe.com)

Auf Platz 5 landet die Groupe Renault, der zweite Autohersteller im Ranking. Das Unternehmen ist seit 1998 in Russland vertreten und machte dort 2020 einen Umsatz von 3,69 Mrd. Euro. (Bild: Renault)

Ein Jahr nach Renault, also 1999, kam auch das Unternehmen Japan Tobacco International (JTI) nach Russland. Anders als es der Firmenname vermuten lassen würde, hat JTI seinen Sitz in der Schweiz. In Russland machte der Tabakkonzern 2020 einen Umsatz in Höhe von 3,7 Mrd. Euro. (Bild: beeboys - stock.adobe.com)

Der dritte Autobauer und zugleich auf dem dritten Platz im Ranking ist die Volkswagen Group. Das Unternehmen ist seit 2003 in Russland tätig und konnte dort 2020 einen Umsatz in Höhe von 3,8 Mrd. Euro verzeichnen. (Bild: Volkswagen)

Den zweiten Platz im Forbes-Ranking kann sich der französische Heimwerker- und Gartenhändler Leroy Merlin ergattern. Das Unternehmen agiert seit 2004 auch in Russland und machte dort in 2020 einen Umsatz von 4,13 Mrd. Euro. (Bild: Alexandr Blinov - stock.adobe.com)

Das größte ausländische Unternehmen in Russland und damit der Spitzenreiter in diesem Ranking ist Philip Morris International, ein amerikanischer Hersteller von Tabakprodukten. Bereits seit 1992 ist der Konzern auch in Russland tätig. 2020 betrug der Umsatz von Philip Morris in Russland 4,3 Mrd. Euro. (Bild: Vitezslav Vylicil - stock.adobe.com)

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